Vertrauen=Kontrolle

April 20, 2021
April 20, 2021 fuseadmin

Vertrauen=Kontrolle

Vertrauen=Kontrolle

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Eine Frase die mich, seit ich denken kann, begleitet. Eine, die man (wenn wir mal ehrlich sind) nicht richtig hinterfragt. Eher eine, die

hingenommen wird, gar fatalistisch ins Leben übertragen wird. Dabei sollte man diesen

Satz einmal genauer demontieren. Was ist Vertrauen? Was ist Kontrolle? Anhand des kommenden Fallbeispiels wird klar warum, das eine ohne das andere nicht einher gehen kann.

Man begibt sich auf den Markt, um sich einen Apfel zu besorgen. Dieser soll saftig sein, kraftvoll, reichhaltig, frisch und selbstverständlich einem selbst geschmacklich zusagen. Mit diesem Ziel in petto, findet man den einzigen Stand der Äpfel verkauft. Bei ihm werden einem gar schon energisch all die Attribute, die der Apfel erbringen soll, garantiert. Daraufhin wird einer der Äpfel erworben und man schlendert ganz entspannt mit einem glücklichen Gefühl von dannen.

Frage: Wurde der Apfel gekauft durch Vertrauen oder Kontrolle? Scheint die Antwort so leicht zu sein? Passt unsere Redewendung überhaupt auf dieses Fallbeispiel?

Die Auflösungen könnte uns Wikipedia geben:

Zu Vertrauen Zitat:

Vertrauen bezeichnet die subjektive Überzeugung (oder auch das Gefühl für oder Glaube an die) von der Richtigkeit, Wahrheit von Handlungen, Einsichten und Aussagen bzw. der Redlichkeit von Personen. Vertrauen kann sich auf einen anderen oder das eigene Ich beziehen (Selbstvertrauen). Zitat ende.

Zu Kontrolle Zitat:

Kontrolle ist die Überwachung oder Überprüfung eines Sachverhalts oder einer Person und somit ein Mittel zur Herrschaft oder Gewalt über jemanden oder etwas. Zitat ende.

Der Apfel wurde ausschlich durch Vertrauen – und zwar nur durch Vertrauen – gekauft. „Warum?“, wird sich der ein oder andere fragen. Die Expertise des*der Verkäufer*in ist doch die Kontrolle. Der*die Verkäufer*in kann seine Glaubwürdigkeit anhand von Belegen verschiedener Institution vorweisen. Diese und viele andere valide Punkte, die in Richtung pro Kontrolle sind, sind vertretbar.

Der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Ohne Vertrauen in die Kontrollorgane sind diese genau so viel wert wie ein verfaulter Apfel. Ohne Vertrauen in die Kontrolle sind sie kurzum nutzlos. Wieso existiert das Konstrukt denn, wenn es doch obsolet wirkt? Nun, weil es eine intelligente Art des Vertrauens ist.

Vertrauen ist ein komplett subjektives Gefühl. Das ist gut so. Das führt uns zu einem Dilemma, welches Kant mit folgender Aussage sehr gut getroffen hat: „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden.“

Mit dem Werkzeug „Kontrolle“ können wir das Holz ein wenig gerader zimmern. Wir Menschen tun uns grundsätzlich schwer hohe Ansprüche zu erfüllen. Vertrauen zählt dazu. Was sich erarbeitet werden muss. Fehler können dieses fragile Gefühl zerstören. Um Fehler zu reduzieren, gar zu eliminieren, haben wir die Kontrolle erschaffen. Ein Konstrukt, woran man sich abarbeiten oder Aussagen/Thesen überprüfen kann. Grundsätzlich gut? Also gilt doch das altbekannte Sprichwort, was eingangs erwähnt wurde. Wenn es doch so einfach wäre.

Das Problem:

Nehmen wir unser Fallbeispiel zur Hand. Wenn der*die Verkäufer*in mit 13 verschiedenen Nachweisen von 13 verschiedenen Institutionen seine Glaubwürdigkeit nachweisen will.

Haben wir nur mehr Vertrauen abgegeben. Das Vertrauen gegenüber der Person, die uns den Apfel verkaufen will, ist nicht besser geworden. Sondern wir haben mehr Vertrauen in Institutionen investiert. In den Menschen agieren zu den wir kein Bezug haben.

Menschen deren Intention wir nicht deuten können. Menschen, von denen wir nicht wissen, ob sie im Guten oder im Schlechten handeln.

Intelligentes, kompetentes, kluges Vertrauen ist nicht gleich mehr Vertrauen.

Sondern basiert auf Autonomie, Ehrlichkeit, Evidenz, Faktenlagen, Selbstbestimmung und Wissen.

Das aller Wichtigste:

Vertrauen sollte von Menschen zu Menschen weiter gegeben werden genauso wie Kontrolle. Dabei helfen kann uns, unteranderem transparente Technologie

(wie genau wird in einen anderen Text erläutert).

Lass uns also in unseren wunderbaren Apfel reinbeißen und anschließend die Redewendung ändern. Statt zu sagen: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Sagen wir lieber:

„Vertrauen ist gut, weniger ist noch besser.“

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